Baumkuchen, mitten im Frühling

Mein Vater liebte diesen Baumkuchen. Er liebte auch die Pudhys, Johnny Cash, Ludwig Hirsch, politische Diskussionen und Fips Asmussen und Jürgen v.d. Lippe. Aber der Baumkuchen war der Grund, warum er seit vielen Jahren von mir immer ab November gebacken wurde. Am 9. November hatte mein Vater Geburtstag, deshalb gab es den Baumkuchen da traditionell immer zum ersten Mal.

Genau heute – vor einem Jahr – ist mein Vater plötzlich gestorben. Er war im Krankenhaus wegen eines Bruchs, sollte an diesem Tag entlassen werden – und bekam früh morgens einen Herzinfarkt. Vorgeschädigt wie er war (er hatte bereits einen Stent), hat man zwar alles versucht, aber es war zwecklos.

Meine Nichten, meine Mutter, ich — wir waren damals fassungslos. Zeit zu trauern hatten wir nicht wirklich. Ein Umzug bei meiner (jetzt alleinstehenden) Mutter stand an und musste erledigt werden. Viele haben uns tatkräftig unterstützt, wofür ich noch immer wahnsinnig dankbar bin.

Danach sind mein Herzschatz und ich quasi sofort in den gebuchten Urlaub gefahren. Um bei der Rückkehr einige familiäre Streitereien und den Bruch zwischen einigen Familienmitgliedern zu erleben. Diesen Bruch gibt es quasi heute noch.

Und wenn mich einer fragt: na… hast du getrauert? dann antworte ich: jeden Tag ein bißchen. Mal mehr, mal weniger. Mal mit Wut, mal nur mit Tränen. Aber immer bin ich alleine, es sind diese stillen Momente, wenn man ganz bei sich ist. Das dauert oft nur eine Zigarettenlänge. Die kleine Pause zum Durchschnaufen, wenn der Alltag gerade ganz weit weg ist. Sicherlich gibt es aber auch Situationen, wenn es einen umhaut. Immer noch. Ein Lied im Radio, ein Bild das Erinnerungen hervorruft. Da finde ich glücklicherweise Halt bei meinem Herzschatz. Er kann mir nicht helfen, er ist einfach da. Das reicht.

Für meine Mum ist es um ein Vielfaches schwieriger. Sie kommt nicht wirklich alleine klar. Ihr Hund tröstet, ist aber kein adäquater Ersatz. Jetzt, wo beide in Rente wären, anfangen könnten, nur für sich zu sein… ist mein Vater – ihr Partner seit über 45 Jahren – einfach weg. Höhen und Tiefen gab es zu Hauf – wie wohl in jeder Beziehung, die so lange hält. Der Tod meiner Schwester vor einigen Jahren. Das dadurch wieder „Eltern-sein“ für meine minderjährigen Nichten.. und so viele andere, kleinere familiäre Dramen. Deshalb versuche ich so gut es geht meine Mutter aufrecht zu halten. Wie meine Nichten auch.

… und wie sagt Jupiter Jones so schön in dem Lied „Berlin“:

…Und spart euch die Geschichten,
Ich trag meine tief hier drin.
Ihr habt nur ein paar mehr Statisten,
Wo ich oft alleine bin….

Danke fürs Zuhören. Manchmal hilft das runterschreiben.

Für meinen Papa, sein Lieblingskuchen:
Baumkuchen nach Chefkoch

250 g Butter

250 g Zucker

6 Eier getrennt, Eiweiß steif geschlagen

150 g Mehl

1/2 Packung Backpulver

100 g Speisestärke

100 g Marzipan, geschmeidig gerührt mit 3-12 EL Amaretto

Alles zu einem Teig verarbeiten, dabei den Eischnee am Schluß drunter ziehen

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Den Grill im Backofen auf die Höchste Stufe stellen. Mit einem Pinsel ca. 2 EL Masse auf den mit Backpapier ausgelegten Kuchenring aufstreichen. 3 min im Ofen backen lassen, bis die Oberfläche Farbe bekommt.

Fortfahren, bis aller Teig verbraucht ist.

Auskühlen lassen, aus der Form lösen und ggf. in Würfel schneiden und mit Schokolade ummanteln. Oder den ganzen Kuchen mit Schokolade glasieren.

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